Wort-Training

Wort-Training ist das Wiederholen bzw. Aufsagen von aneinandergereihten Silben, egal, ob sie etwas bedeuten oder nicht. Charlotte Mason meinte, dass die Gedanken des Kindes oft woanders sind und der Lehrer Tricks und Wiederholungsübungen anwendet, um es dazu zu bringen, sich an bestimmte Wörter zu erinnern.


Traurigerweise besteht die Ausbildung vieler Kinder aus solchen Übungen. Manchmal wiederholen oder singen die Kinder bestimmte Wörter. Ein andermal müssen die Kinder den Lückentext ausfüllen, um zu beweisen, dass sie sich an die Wörter erinnern. Und nur allzu oft haben die Kinder keine Ahnung, welche Ideen hinter den Wörtern, die sie wiedergeben, stecken


.Z. B. lesen Kinder folgenden Text: „Tabak war die beste Bargeldeinnahmequelle für das koloniale Virginia. 1776 betrug der Ertrag bereits 55 Mio. Pfund pro Jahr.“


Am Ende des Kapitels finden sie dann die folgenden Fragen dazu:


1. Was war die beste Bargeldeinnahmequelle für das koloniale Virginia?


2. Wie viel Pfund betrug sie im Jahr 1776?


Die Kinder finden die entsprechenden Antworten dann, indem sie den Text durch scannen und beantworten die Fragen richtig, weil sie das richtige Wort gefunden haben. Leider haben sie aber oft keine Ahnung, was hinter der Idee eines kolonialen Virginias steht bzw. was eine Bargeldeinnahmequelle ist, geschweige denn wie die Profitgier beinahe Jamestown zerstörte.


Es ist alles nur ein Wort-Training bzw. Erinnerungsspiel. Sag dem Lehrer das richtige Wort, nach dem er fragt


.Im Gegensatz dazu: Stell dir vor, was sich in deinem Kopf abspielt, wenn du ein einziges Wort hörst: Erntedank (Thanksgiving). Sofort kommen dir dabei viele Bilder und Emotionen in den Sinn welche deinen Geist und dein Herz erfüllen. Diese Erinnerungen kannst du dann auf unterschiedliche und abwechslungsreiche Art und Weise in Worten und Sätzen beschreiben. Auf manche kannst du dann näher drauf eingehen.


Das ist das, was Charlotte unter Geist-Training verstanden hat. Dabei wird der ganze Geist aktiviert, weil er sich mit lebendigen Ideen befasst.


Deshalb verwendete sie „Lebendige Bücher“. Du erinnerst dich an Erzählungen, weil sie deine Emotionen berühren und deine Phantasie entfachen. Du siehst eine Szene in deinem geistigen Auge, und von dieser Szene aus kannst du Erinnerungen mit deinem ganzen Geist herausholen: Sehen, Hören, Riechen, Emotionen. Diese Ideen kannst du dann auf unterschiedlichste Art und Weise frei mitteilen.


Das ist Geist-Training. Ein Riesenunterschied ist das!


Geist-Training oder Wort-Training – welches Training betonst du in deinem Heimunterricht?

Charlotte glaubte, dass dann, wenn uns der Unterschied der beiden Trainingsarten bewusst wird, wir bereit sein werden, „umfassende Änderungen in unseren Lehrmethoden vorzunehmen.“


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