Das Einüben von guten Gewohnheiten mit Kleinkindern

Ein wichtiges Prinzip spricht Charlotte Mason folgendermaßen an: “Was aus dem Mann werden soll, muss ihm als Kind beigebracht werden.” (2. Band, Seite 15) Die Kleinkinderjahre sind für das Einüben guter Gewohnheiten ideal. Es ist niemals zu spät, damit anzufangen, aber so viel einfacher, wenn das Kind noch klein ist.

 

Von 60 Gewohnheiten, die Charlotte Mason empfiehlt, sind Aufmerksamkeit und Gehorsam für das Kleinkindalter die wichtigsten.

 

Charlotte Mason sagt dazu:

 

1. Dein Kind wird nicht von sich aus falsche Gewohnheiten ablegen

 

Unsere kleinen Engel sind oft entzückend, wenn sie sich daneben benehmen. Aber als Eltern können wir es uns nicht leisten, über ihre Wutausbrüche oder ihren Ungehorsam zu lachen. Oft wird gesagt: “Das Kind ist jung. Es versteht das noch nicht. Daraus wird es schon herauswachsen.” Leider bestätigt man dadurch nur die Charakterschwäche.

 

2. Sei konsequent

 

Zum Einüben einer Gewohnheit ist es notwendig, diese ständig zu wiederholen. Je öfter unsere Kinder das Richtige tun, desto leichter wird es. Bald werden sie von sich aus richtig handeln, ohne dass sie erst darüber nachdenken müssen. Wenn sie aber nur ein- oder zweimal richtig handeln und dann fünf- oder sechsmal unartig sein dürfen, sind alle Bemühungen umsonst und man muss von vorne anfangen.

 

3. Gib dem Kind die Möglichkeit, neu erlerntes Verhalten so oft wie möglich zu üben.

 

Wie sieht das in der Praxis aus? Hier sind 2 Beispiele:

 

a. Aufmerksamkeit:

Ermutige das Kind, ein Objekt jedes Mal ein bisschen länger anzusehen.

“Einem Baby, obwohl es ein sehr guter Beobachter ist, fehlt es an Aufmerksamkeit. Nach kurzer Zeit wird das Spielzeug fallen gelassen, und seine Augen wenden sich etwas anderem zu. Aber sogar in diesem Alter kann man die Gewohnheit der Aufmerksamkeit schon trainieren. Das hinuntergeworfene Spielzeug wird aufgehoben und vor den Augen des Kindes hin und hergeschwungen, damit sich das Kind noch ein bisschen länger damit beschäftigt. Das war’s schon: Die erste Lektion in Aufmerksamkeit. Dann wendet sich das Kind anderen Objekten zu, die in seiner Reichweite sind. Jedoch bleibt es von sich aus nie lange an einem Objekt hängen. Hier ist es die Aufgabe der Mutter, das Kind dazu anzuregen, sich mit jedem Objekt ein bisschen länger zu beschäftigen.” (1. Band, Seiten 139, 140)

 

b. Gehorsam:

Erwarte und bestehe auf sofortigen, willigen und andauernden Gehorsam.*

 

Folgende Szene macht alle Bemühungen zunichte: Die Kinder sind im Wohnzimmer, wenn Besuch kommt. “Geht auf euer Zimmer!” “Liebe Mutter, bitte lass uns hier in der Ecke spielen. Wir werden ganz leise sein!” Die Mutter ist so stolz auf die höfliche Bitte ihrer Kinder, dass sie ihnen erlaubt, im Wohnzimmer zu bleiben. Natürlich sind sie dann nicht leise, wie versprochen. Aber das schlimmste an dem Ganzen ist, dass sie genau das bekommen haben, was sie wollten, und nicht das getan haben, was ihnen aufgetragen wurde.

Beim nächsten Mal werden sie sich noch mehr gegen den Auftrag der Mutter wehren. So fängt es mit Kleinigkeiten an. “Zeit zum Schlafen, Thomas”. “Oh, Mama, lass mich das noch schnell fertig machen”. Die Mutter gibt nach und vergisst dabei, dass die einzelnen Umstände nicht wichtig sind, sondern dass mit dem Kind die Gewohnheit des Gehorsams täglich geübt werden muss. Es ist erstaunlich, wie clever Kinder sind. “Maria, komm rein”. “Ja, Mutter”. Aber die Mutter ruft sie noch vier Mal bevor Maria tatsächlich reinkommt. “Räume deine Bausteine weg”; und die Bausteine werden langsam und unwillig weggeräumt. “Du musst deine Hände immer waschen, wenn du die Glocke hörst”. Das Kind gehorcht nur das eine Mal, dann nicht mehr.

Um diese Anzeichen der Eigenwilligkeit zu vermeiden, muss die Mutter darauf bestehen, dass das Kind sofort, ohne Ausdrücke der Unwilligkeit und andauernd gehorcht. Verzögerter, unwilliger und unbeständiger Gehorsam ist wertlos. Es ist viel einfacher, dem Kind von Anfang an die Gewohnheit vollkommenen Gehorsams beizubringen, als dann immer wieder Ungehorsam bestrafen zu müssen. (Band 1, S. 163, 164)

 

Wir könnten noch viele Seiten mit praktischen Ideen füllen, aber fang einfach mit den oben genannten Tipps an. Wende sie täglich in der Praxis an und beobachte, wie diese neuen Gewohnheiten das Leben deines Kindes beeinflussen.

 

* Anmerkung der Übersetzer:

Der Abschnitt über den sofortigen Gehorsam ist zweifellos wichtig für Kinder. Aber schon ab drei Jahren soll man den Kindern immer das „Warum“ geben und ihnen erklären, warum sie etwas tun oder eben nicht tun sollen. Wir erwarten Gehorsam, aber keinen blinden Gehorsam.

 

 

Für mehr Informationen empfehlen wir das Gratis-E-book von simplycharlottemason: smooth and easy days (englisch!)

 

 

Folge 4 Vorschulkinder: Lernen mit allen Sinnen