Lernen mit allen Sinnen

Im Babybuch meiner Tochter befinden sich zwei tolle Fotos. In dem einen versucht sie ein Schokoladeeis zu essen. Ihr Hemdchen ist angeschmiert, Schokolade tropft von ihren Händen – und wie die Schokolade in ihre Sandalen geraten ist, werde ich wohl nie erfahren.

Im anderen Foto steht sie im Garten. Ihr Gesicht ist wieder ganz braun verschmiert. Man möchte meinen, dass sie wieder Schokolade im Gesicht hatte. Das stimmt aber nicht. Dieses Mal hat sie etwas Erde gekostet.

Erde, Schokolade: Beides muss von den Kleinen erforscht werden. Es macht ihnen nichts aus, dabei alle ihre Sinne zu verwenden. Meine Tochter isst jetzt keine Erde mehr, weil sie herausgefunden hat, dass Erde nicht gut schmeckt.

Babys und Kleinkinder verwenden alle ihre Sinne, um ihre Umgebung zu erforschen. Das ist ihre Hauptaufgabe. Deshalb riet Charlotte Mason, den kleinen Kindern viele Möglichkeiten zum Erforschen mit allen Sinne zu geben. Wir sollen unsere Kinder geradezu dazu anregen.

 

Es folgen ein paar von Charlotte Masons Ideen, wie wir unsere Kleinen dazu ermutigen können mithilfe ihrer Sinne zu lernen.

 

1. Nicht geplante Lektionen: ein Objekt auf mindestens zwei Eigenschaften untersuchen

 

Es ist am besten, diese Lektionen nicht zu planen, sondern sich einfach mit den Dingen auseinanderzusetzen, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt. Das Kind findet das Nest einer Wespe, das auf einem Zweig hängt und bekommt gleich Anschauungsunterricht von den Eltern. Die graue Farbe, die runde symmetrische Figur, die papierähnliche Substanz, die Größe im Vergleich zu anderen  Dingen, die Glattheit des Nestes  mit anderen Dingen vergleichen, den Geruch oder die Abwesenheit eines Geruches, das Gewicht, die Temperatur – diese und 50 weitere Eigenschaften kann ein Kind ohne große Hilfe von den Eltern erforschen. Man findet nicht alle Tage ein Wespennest, aber auch von häufig zu findenden Objekten kann man viel lernen, wie z. B. ein Stück Brot, ein Stück Kohle oder einem Schwamm (Ausschnitt aus 2. Band, Seiten 182 und 183).

 

2.Verwende alltägliche Gegenstände, um dem Kind den Unterschied von schwer und leicht beizubringen

 

Als meine Kinder noch klein waren, haben wir oft ein kleines Spiel im Obst- und Gemüseabteil unseres Geschäfts gespielt. Ich habe eine Plastiktasche mit Obst oder Gemüse angefüllt, und dann haben wir geraten, wie schwer die Tasche wohl ist. Dann haben wir die Tasche auf die Waage gelegt, um herauszufinden, wer am besten geraten hatte. “Briefe, Bücher, Äpfel, Orangen, Fruchtfleisch und viele andere Dinge geben uns im Laufe des Tages die Gelegenheit für solche Lektionen." (2. Band, Seite 184)

 

3.Verwende alltägliche Gegenstände, um auf Größenunterschiede hinzuweisen

 

“Genauso soll Kindern beigebracht werden, die Größe eines Objektes abzuschätzen. Wie lange ist die Kerze? Wie lang und breit ist der Bilderrahmen? usw. Und dann mit dem Lineal nachmessen, ob sie gut geschätzt haben. (2. Band, Seite 185)

 

4.Verwende alltägliche Situationen , um dem Kind das genaue Zuhören beizubringen

 

Fang mit einfachen Übungen an, z. B. “Beschreibe alles, was du hörst” (Das ist übrigens ein großartiges Spiel für Warteräume oder Restaurants.). Langsam kann man dann vom losen Beschreiben eines Geräusches zum genauen Beschreiben übergehen z. B. die Laute eines Vogels als Ruf- oder Singlaute beschreiben; fünf unterschiedliche Laute eines Baches beschreiben. Schritte oder Stimmen beschreiben, indem man mit geschlossenen Augen bestimmt, woher die Schritte kommen.” (2. Band, Seite 185)

 

Man kann ähnliche Spiele erfinden, um die anderen Sinne (Fühlen, Riechen und Schmecken) zu kultivieren. Diese Lektionen sollen nicht formal oder geplant sein. Verwende einfach die natürliche Umgebung deiner Familie.

 

5. Mache viele Fotos

 

 

Folge 5 Vorschulkinder: Die Natur mit Kleinkindern geniessen