Als uns klar war, dass wir unsere Kinder zuhause unterrichten werden, habe ich mich auf die Suche nach Lehrmitteln gemacht und bald hatte ich auch welche gefunden. Ich erinnere mich genau, wie sie aussahen: Für Mathematik waren sie blau, für Deutsch gelb, für Sachkunde grün und für Englisch weiss. In jedem Fach gab es drei Bücher: das Schülerbuch, das Arbeitsheft und der Lehrerkommentar inkl. CD-Rom. Es waren alles schön aufbereitete Lehrmittel, auf dem neusten Stand. Aber als diese farbigen, modernen Lehrbücher auf meinem Tisch lagen, sank mir das Herz. Ist das wirklich die Bildung, die ich mir für unsere Kinder wünsche? In jedem Fach das Schülerbuch und Arbeitsheft "durchzuarbeiten"? Seite für Seite? Tag für Tag? Bis das Schuljahr zu Ende ist und wir "endlich alles durchhaben?"

 

 

Es musste doch einen Weg geben, um ganzheitlicher zu lernen, einen Weg, der das Lernen interessanter und alltagsbezogener machte und der vernetztes Denken förderte (obwohl es auch in den Lehrmitteln viele Bezüge zum Alltag gibt und vernetztes Denken sicherlich angestrebt wird). Es musste doch Methoden geben, die den Kindern die Freude am Lernen erhalten würden, damit sie nicht in den oberen Klassen als gestresste, desinteressierte Schüler enden würden, die sich mit Wissen vollstopfen, den ganzen Tag Arbeitsblätter ausfüllen und fleissig sind und doch wenig wissen. Aber welches war dieser Weg?

 

 

Selber hatte ich auf traditionelle Art an der öffentlichen Schule gelernt, hatte gute Noten geschrieben, aber hatte nicht immer Freude am Lernen. Vor allem war mir das Pauken vor den Prüfungen zuwider. Die Zusammenhänge hatte ich selten verstanden. Erst im Erwachsenenalter begriff ich, dass die Römer, von denen wir in der 4. Klasse gelernt hatten und Kaiser Augustus in der Weihnachtsgeschichte zusammenhingen! Als mir dieser Zusammenhang klar wurde, bekam ich einen Hunger nach mehr Wissen und mehr Zusammenhängen, gleichzeitig war ich aber auch entsetzt darüber, dass wir in all den vielen Jahren von Schule und Ausbildung (auf Gymnasiumsstufe!) sämtliche Fakten einzeln und losgelöst vom Ganzen vermittelt bekamen und dass dies nicht zu wirklicher Kompetenz geführt hatte.

 

Auf der Suche nach einer Alternative habe ich viele Bücher gelesen und mich breit informiert, aber immer blieb ein bitterer Nachgeschmack zurück. Freilerner wollten wir nicht werden, Montessori oder Waldorf haben mich auch nicht überzeugt, Remo Largo und André Stern waren ebenfalls zu einseitig. Lange habe ich versucht, Mathematik nach Lehrmittel und Deutsch nach Bauchgefühl zu unterrichten und in Sachkunde nach den Interessen der Kinder zu gehen, aber uns fehlte ein Konzept.

 

Dann hat mir jemand das Buch „Um der Kinder willen“ empfohlen. Ich erinnere mich noch heute an den Tag, als ich es las. Schon im ersten Kapitel merkte ich, dass das hier die Antwort auf mein Suchen war. Die zeitlosen Bildungs- und Erziehungsgrundlagen von Charlotte Mason zeigten mit einen Weg, wie ich die leuchtenden Augen, die Wissbegierde, den Hunger auf Wissen und neue Erfahrungen, die natürliche Begeisterung und den Wissensdurst der Kinder erhalten konnte. Sie gaben mir ein Werkzeug an die Hand, wie das Lernen lebendig, ganzheitlich, vernetzt und doch von der Lehrperson gesteuert wird. Ja, es sind Methoden, die die angeborene Freude am Lernen erhalten und trotzdem die Kinder auch Disziplin lehren.

 

Dies war genau der Weg, den ich immer gesucht hatte, der mir irgendwie vorgeschwebt war. Danke, Charlotte Mason. Es gibt noch viel zu lernen auf diesem genialen Weg, aber ich bin sicher, dass wir die für uns richtige Richtung eingeschlagen haben. Ich freue mich sehr, dass diese deutschsprachige Homepage viele Tipps und Hilfestellungen für CM-Interessierte liefert.

 

Y. Lüthi